Das Diakonische Werk Mannheim steht vor großen Herausforderungen

Strategieprozess und Konsolidierung: „Umbauen, Abbauen, Aufbauen“

 Mannheim, 10. September 2020. Das Diakonische Werk Mannheim muss seine Leistungsfähigkeit und seine finanziellen Möglichkeiten anpassen, um in den kommenden Jahren handlungs- und zahlungsfähig zu bleiben und der gesellschaftlichen Verantwortung in der Stadt Mannheim weiter gerecht zu werden. Direktor Michael Graf, der seit einem Jahr die Geschicke der Diakonie Mannheim leitet, strebt deswegen einen umfassenden Strategieprozess an. Unter dem Motto: „Umbauen, Abbauen, Aufbauen“ soll das Diakonische Werk mit insgesamt rund 34 Beratungsstellen und Einrichtungen in den kommenden Monaten zukunftsorientiert neu aufgestellt werden.  

Konkrete Maßnahmen zur Reduzierung der laufenden Kosten 

 „Wir werden eine Reihe von Maßnahmen ansteuern, die sowohl erforderliche Kostenentlastungen als auch konzeptionelle Weiterentwicklungen ermöglichen sollen“, sagt Michael Graf. Dazu gehöre unter anderem die Verlagerung von Standorten sowie eine effektivere Zusammenarbeit mit anderen Wohlfahrtsverbänden und der Stadt Mannheim. Das betrifft vor allem die Arbeitsbereiche Bahnhofsmission, die Psychologische Beratungsstelle Sucht, die Schuldnerberatung, das Integrationsmanagement sowie den Sozialpsychiatrischen Dienst. Graf fordert als Vorsitzender der Liga der Wohlfahrtverbände in Mannheim, dass professionelle soziale Dienstleistungen durch Bund, Land und Kommunen besser refinanziert werden müssen, da sie sonst trotz ihrer Systemrelevanz für Wohlfahrtsverbände künftig nicht mehr leistbar sind.

 Corona und die Folgen

Der Ausbruch der Pandemie stellte und stellt auch das Diakonische Werk vor große Herausforderungen. So mussten intern viele Mitarbeitende kurzfristig ins bürofreie Arbeiten wechseln, was auch mit Kosten verbunden war. Gleichzeitig mussten Beratungsstellen wegen der Infektionsgefahr vorübergehend geschlossen werden. Zudem baute das Diakonische Werk schnell und unbürokratisch ein Netzwerk an Hilfeleistungen auf, um Menschen, die wegen Corona in Not gerieten, zu helfen. Der durch Corona entstandene Mehraufwand belief sich dabei bis zum Ende des ersten Halbjahres auf rund 60 000 Euro. Weitere Auswirkungen durch etwa zurückgehende Kirchensteuermittel sind noch unsicher.

Finanzierungssystem muss langfristig gesichert werden

„Wir agieren auf einem Markt, auf dem die erzielbaren Umsätze nicht reichen, um die notwendigen Ausgaben zu bezahlen“, erläutert Graf. Das Diakonische Werk Mannheim arbeitet nicht gewinnorientiert, muss aber gleichwohl leistungsfähig sein und bleiben. Die fehlende Dynamisierung sowohl beim kirchlichen Umlageverfahren als auch bei Zuwendungen der öffentlichen Hand treibe das Diakonische Werk in eine Konsolidierung. „Den Tarif- und Preissteigerungen haben wir nichts entgegenzusetzen“, so Graf weiter. Hinzu kämen Altlasten, wie beispielsweise die Übernahme des in finanzielle Schieflage geratenen Diakonievereins oder auch jüngst die überraschende Schließung der Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Mannheim. Wichtig sei es, mit der Zahlungsfähigkeit des Diakonischen Werks verantwortungsvoll umzugehen, so Graf weiter.

Folgen der Konsolidierung – Information der Mitarbeiter*innen

Das Diakonische Werk Mannheim ist gegenwärtig noch dazu in der Lage, eine Konsolidierung darzustellen, ohne dass es zu betriebsbedingten Kündigungen oder dem kompletten Wegfall von Angeboten kommen muss. Dennoch müssen Angebote in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt werden, zudem können befristete Arbeitsverträge nicht immer verlängert werden. Mitarbeitende mit unbefristetem Arbeitsvertrag können auf andere Stellen umgesetzt werden. Die betroffenen Mitarbeiter*innen wurden bereits in Einzelgesprächen über entsprechende Maßnahmen informiert. Zudem wurden den Mitarbeitenden des Diakonischen Werks in einer großen Dienstbesprechung Strategieprozess und Konsolidierung erläutert. Derzeit sind beim Diakonischen Werk 270 Menschen beschäftigt. (Inclusive der Diakonie-Sozialstation)

 Maßnahmen des Strategieprozesses „Umbauen, Abbauen, Aufbauen“

„Wir wollen das Diakonische Werk behutsam neu strukturieren und modern gestalten“, so Michael Graf. Dazu gehöre unter anderem eine Digitalisierung der Verwaltung, die Optimierung von Abläufen und Prozessen. Mit dem Projekt „Junge Diakonie“ will Michael Graf junge Menschen mehr in diakonische und soziale Handlungsfelder mit einbeziehen. „Wir wollen junge Menschen für unsere Arbeit begeistern“, so Michael Graf. Neue Impulse und aktive Mitarbeit erhofft sich das Diakonische Werk auch durch die interne „Werkstatt soziale Innovation“. Eine Arbeitsgruppe von Mitarbeitenden soll unter Mitwirkung des Direktors und der Abteilungsleitungen neue Angebote und Handlungsfelder finden und gestalten. „Ich wünsche mir hier eine Arbeit mit modernen Ansätzen“, so Michael Graf, „Design Thinking, Kooperationsmanagement, Social Labs… auch externe Referent*innen können Impulse geben“.

 Zahlen – Fakten – Hintergründe

Das Diakonische Werk Mannheim ist mehr als die Summe seiner Einzelleistungen, sondern ein Partner im sozialen Gefüge der Stadt Mannheim. Jede einzelne diakonische Leistung leistet hierzu ihren Beitrag. Das Diakonische Werk beschäftigt mit einem Jahresumsatz von rund 12 Millionen Euro 270 Mitarbeitende an 34 Standorten und Beratungsstellen. Seit September 2019 leitet Direktor Michael Graf das Diakonische Werk Mannheim. Noch im selben Jahr wurde die Übernahme und Auflösung des Diakonievereins beschlossen. Fek  

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