Kinderkaufhaus Plus zieht erste Corona-Bilanz

Bedarf so hoch wie nie – doppelt so viele Menschen wie in den Jahren zuvor

Das Team des Kinderkaufhaus in der Mannheimer Neckarstadt weiß oft gar nicht, wo zuerst hin greifen: Täglich stehen Menschen vor der Tür und warten darauf, hinein gelassen zu werden. Täglich werden auch Spenden vorbeigebracht, offenbar nutzen viele die Corona-Zeit, um zuhause gründlich aufzuräumen. „Über die Spenden freuen wir uns natürlich sehr“, sagt Andrea Reichert, Koordinatorin des Kinderkaufhaus Plus, zumal mehr und mehr Menschen auf die Angebote im Kinderkaufhaus angewiesen sind. „Ich habe hier in den letzten Monaten Familien gesehen“, berichtet Andrea Reichert, „die noch nie da waren“. Die Armut wird größer und macht auch vor dem Mittelstand nicht mehr halt. Bei vielen sind Jobs weggefallen, andere sind in Kurzarbeit und müssen sparen.

 „Das Lachen ist nicht mehr da – die Menschen sind belasteter“

Andrea Reichert und ihr Team sehen jeden Tag viele sorgenvolle Gesichter. Man spürt die Anspannung und die Angst. Vieles fällt schwerer, weil kein Geld mehr da ist. Und natürlich wollen Eltern nicht, dass ihre Kinder verzichten müssen. Betroffen sind vor allem alleinerziehende Mütter. Eine Frau, die jetzt Kundin im Kinderkaufhaus ist, arbeitete in der Gastronomie. Ihr ging es bisher finanziell gut, jetzt ist alles weggebrochen. Um ihre sechs und zehn Jahre alten Söhne mit dem Nötigsten zu versorgen, ist sie auf das Kinderkaufhaus angewiesen. „Das sind eigentlich sehr starke Frauen, die bisher alles gestemmt haben“, erzählt Andrea Reichert, „und jetzt höre ich täglich den Satz: Ich weiß nicht mehr, wie ich es schaffen kann“.

 Schulsituation ist ein großes Thema – Kinder und Eltern komplett überfordert 

Während des ersten Lockdowns waren auch die Schulen geschlossen. Seitdem gibt es immer wieder auch Online-Unterricht. Vor allem Familien mit Migrationshintergrund wandten sich hilfesuchend an das Kinderkaufhaus. Für den Online-Unterricht gab es zuhause keinen Computer, oft noch nicht einmal Internet. Gespendete Computer, Drucker oder Laptops wurden über das Kinderkaufhaus weitergeben. Dennoch waren viele Familien komplett überfordert. „Es sind ja nicht nur die Geräte“, sagt Andrea Reichert. „viele wussten gar nicht, was sie damit anfangen sollen“. Die Kinder seien im Stich gelassen worden, sagt Andrea Reichert.  

Notversorgung in der Corona-Krise – immer für Menschen erreichbar  

Auch das Kinderkaufhaus musste am 17. März wegen Corona schließen. Erst am 16. Juni wurde wieder geöffnet. Andrea Reichert blieb in Kontakt mit ihrer Kundschaft. In besonders dringenden Fällen konnten betroffene Familien oder alleinerziehende Mütter nach einer telefonischen Absprache auch während der Kontaktsperre das Nötigste einkaufen. Trotz der Schließung sprechen die Zahlen am Jahresende für sich: Es wurden doppelt so viele Waren verkauft, wie in den Jahren zuvor. Ein trauriger Rekord, wenn man die Hintergründe kennt.

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