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„Wer die christliche Hoffnung in sich trägt, kann leichter mit dem Leben und mit dem Tod umgehen“

Evangelische Kirche Mannheim trauert um Alt-Dekan Ulrich Fischer

Der Stadtkirchenbezirk Mannheim trauert um Ulrich Fischer: Der Mannheimer Alt-Dekan und ehemalige badische Landesbischof ist vor zwei Tagen im Alter von 71 Jahren an den Folgen einer Tumorerkrankung gestorben. Für Dekan Ralph Hartmann hatte Fischer seinerzeit mit dem energischen Einsatz für eine Vesperkirche in Mannheim ein deutliches theologisches, gesellschaftliches und menschliches Zeichen gesetzt. Nachdem er zum Landesbischof gewählt wurde, blieb Fischer der Quadratestadt vielfach verbunden.

 

„Er bleibt mir mit seiner Lebensfreude und seiner Menschennähe, seinem tiefen Gottvertrauen und seinem Humor in Erinnerung“, sagt Hartmann. Der damalige Landesbischof hatte ihn 2012 als Nachfolger von Günter Eitenmüller in sein Amt als Dekan von Mannheim eingeführt. Dieses war Ulrich Fischer aus seiner eigenen Tätigkeit bestens bekannt. Denn von 1996 bis 1998, als er ins Bischofsamt nach Karlsruhe wechselte, war Fischer Dekan der Evangelischen Kirche in Mannheim. Dort war er, so Hartmann „mit viel Energie, einer positiven Ausstrahlung und großer Präsenz unterwegs“.  

So sorgte Ulrich Fischer mit dafür, dass die CityKirche Konkordien 1998 zum ersten Mal ihre Türen als Vesperkirche für Bedürftige öffnete. Fischer, dessen Lebensthemen der Frieden, die Bewahrung der Schöpfung und die Gerechtigkeit waren, sagte über die Vesperkirche: „Hier wird nicht nur von der Herrlichkeit Gottes gepredigt, hier wird jeden Tag ein Stück der himmlischen Herrlichkeit sichtbar“. Im Eröffnungsgottesdienst zur zehnten Mannheimer Vesperkirche 2007 mahnte er die brüchige soziale Gerechtigkeit an: „Wer die Abfindungen oder Gehälter für Vorstandsmitglieder von Großkonzernen mit der Mindestwitwenrente oder dem Arbeitslosengeld II vergleicht, muss fragen, welche Unterschiede unsere Gesellschaft akzeptieren will“.  

Immer wieder führten ihn seine Wege nach Mannheim. So beispielsweise 2008 zur feierlichen Einweihung der umgebauten Philippuskirche in Käfertal. Sie war ein landeskirchliches Pilotprojekt zur multifunktionalen Nutzung eines Kirchenraums. Auch zu anderen Gelegenheiten kam Ulrich Fischer nach Mannheim. Als aktiver Dekan und später als Landesbischof hat Fischer in der Mannheimer Christuskirche am 1. Adventswochenende samstagsabends „Christuskirche im Kerzenschein“ und sonntags den feierlichen Eröffnungsgottesdienst der Aktion „Brot für die Welt“ gestaltet. Er war zudem Schirmherr der Stiftung Christuskirche – Kirche Christi, deren Gründung er maßgeblich unterstützt hatte, und wirkte als Stiftungsrat an deren Arbeit mit.  

Ulrich Fischer wurde am 11. Februar 1949 in Lüneburg geboren. Früh wirkte er im Kirchen- und Posaunenchor mit und war bei den christlichen Pfadfindern aktiv. Nach dem Wehrdienst studierte er Theologie in Göttingen und Heidelberg. Nach der Promotion und Lehr- und Pfarrvikariat in Sandhausen war Fischer von 1979 bis 1989 Pfarrer in Heidelberg-Kirchheim. Schwerpunkte waren die Arbeit mit Kindern, musisch-kulturelle Aktivitäten, Mitarbeit in der „Eine-Welt-Arbeit", in Friedensgruppen und die Ökumene vor Ort.

 

Von 1989 bis 1995 war Fischer Landesjugendpfarrer, vor der Wahl zum Landesbischof 1998 stand er als Dekan an der Spitze des Kirchenbezirks Mannheim. 2009 wurde Fischer in den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt. Er war unter anderem Vorsitzender des Aufsichtsrats beim Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP). Von 2003 bis 2013 hatte er zudem den Vorsitz der Union Evangelischer Kirchen (UEK) in der EKD inne. 2011 arbeitete Fischer als Vertreter der evangelischen Kirche in der Ethikkommission „Sichere Energieversorgung“ der Bundesregierung mit. Ulrich Fischer verabschiedete sich zum 1. Juni 2014 – nach 16 Jahren als Landesbischof – in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist Jochen Cornelius-Bundschuh, der am gleichen Tag eingeführt wurde.  

In seinem Ruhestand übernahm Fischer den ehrenamtlichen Vorsitz des Vertrauensrats der Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste und wurde für die Posaunenarbeit Landesobmann in Baden und Vorsitzender des Evangelischen Posaunendiensts in Deutschland, dem Dachverband für 117.000 evangelische Blechbläser*innen. Im Ruhestand lebte der mehrfache Großvater Fischer mit seiner Ehefrau auf dem Reiterhof einer sei drei Töchter in Neulußheim. Einen tiefen Einschnitt in sein Leben bedeutete die Diagnose eines Gehirntumors im Vorjahr.  

Nach der Diagnose einer schweren Krankheit habe sich Fischer „in einer sehr intensiven Beziehung mit Gott“ gefühlt, sagte er noch am 06. Juni 2020 in der Sendung „Lichtblicke“. Seine Überzeugung formulierte er einmal so: „Wer die christliche Hoffnung in sich trägt, kann leichter mit dem Leben und mit dem Tod umgehen“. Foto: ekiba (dv)

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