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„Erste Hilfe für die Seele“ - Not lindern in Extremsituationen

15 Jahre Notfallseelsorge: Gottesdienst wegen Corona abgesagt, Jubiläum verschoben

Das Mannheimer Team ist eine der wenigen Notfallseelsorge-Systeme im Umkreis, das während der bisherigen Corona-Phase ununterbrochen in Rufbereitschaft geblieben ist. Der alljährliche Blaulichtgottesdienst im November wurde nun angesichts der aktuellen Situation jedoch abgesagt. Das 15jährige Jubiläum der ökumenischen Notfallseelsorge ist verschoben auf einen späteren Zeitpunkt, wenn solche Festlichkeiten wieder möglich sind.

 „Aus.Zeit“ war der Titel des traditionellen Blaulichtgottesdienstes, der für den 13. November in der CityKirche Konkordien geplant war. Dabei sollten Pfarrerin Monika Mayer-Jäck verabschiedet, Tabea Mayer als neue Mitarbeiterin und Magdalena Hermanski und Chantal Kletzin im neuen Ausbildungskurs begrüßt werden. Nun gab das Leitungsteam das „Aus“ für den Gottesdienst bekannt. „Angesichts der Inzidenzzahlen und der dringenden Bitte an derzeit alle, Zusammenkünfte zu überdenken, haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen“, sagt Diakonin Claudia Krüger, Koordinatorin der von katholischer und evangelischer Kirche getragenen Notfallseelsorge Mannheim. An der Feierlichkeit nehmen stets Vertreter*innen von Feuerwehr, Polizei und Rettungsorganisationen teil. „Wir alle wollen uns schützen für Einsätze, in denen wir für unsere Mitmenschen gefordert sind“, erläutert Krüger. Denn wenn die Blaulicht­organisationen zu Einsätzen gerufen werden, ist es ernst. Häufig rufen die Rettungsdienste dann die Notfallseelsorge hinzu, damit vor Ort auch Erste Hilfe für die Seele geleistet werden kann. Im Jahr 2020 war das Team bisher 86 Mal im Einsatz, nicht nur in Mannheim, sondern auch im Rhein-Neckar-Kreis, aus dem die Behörden Überlandhilfe beantragt hatten, nachdem das dortige System wegen Corona in häuslichen Einsätzen nicht zur Verfügung stand.

 

Dienst während Corona – und wegen Corona

 Das ökumenische Notfallseelsorge-Leitungsteam hatte zu Beginn der Pandemie entschieden, den Dienst nicht einzustellen. Die Mitarbeitenden wiederum konnten grundsätzlich entscheiden, ob sie an Einsätzen teilnehmen wollen oder nicht. Rund die Hälfte blieb dabei, andere pausierten, auch aus gesund­heitlichen Gründen. „Uns ist es Gottseidank gesundheitlich gut ergangen, auch bei den häuslichen Einsätzen. Bisher sind wir alle von Corona unbeschadet geblieben“, ist Claudia Krüger dankbar, der wichtig war, den Dienst in der Pandemie aufrechtzuerhalten. „Wir haben einen Auftrag in der Welt“, sagt sie. „In einer Zeit, in der so viele hilflos sind, können diejenigen, die Hilfe geben können, nicht die Segel streichen“, ist sie überzeugt. „Das war unsere Motivation, weiterzumachen.“ 

Notfallseelsorge – ein Dienst an allen Mitmenschen 

Wenn Claudia Krüger, die seit 11 Jahren als Notfallseelsorgerin im Einsatz und seit 2015 evangeli­sche Koordinatorin des ökumenischen Dienstes ist, zurück und nach vorne schaut, fallen ihr zwei Aspekte in den Blick: Im Team kommen inzwischen lediglich noch ein Drittel der Ehrenamtlichen aus dem kirchlichen Bereich. „Die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind bei uns, weil sie von unserem Dienst über die Presse oder durch Erlebnisse im Bekannten- und Familienkreis erfahren haben, und absolvieren dann Ausbildung, Supervision und Einsätze als bürgerschaftliches Engagement“.

 Angehörige der Notfallseelsorge informieren auch in den unterschiedlichsten Schularten über die Notfallseelsorge. Die Koordinatorin selbst und ihr Ehemann, Pfarrer Helmut Krüger, ebenfalls Fachberater in der Notfallseelsorge, informieren jeden Jahrgang, in dem zukünftige Schwimmmeister ausgebildet werden, an der Berufsschule auf der Vogelstang oder, wie in diesen Tagen, an den Hochschulen für soziale Arbeit in Mannheim und Ludwigshafen.

 Der Dienst, so Krüger, sei ein Dienst an allen Mitmenschen. Insofern passe es, wenn auch die Mitarbeitenden aus vielen Bereichen kämen. Viele der Mitarbeitenden aus dem kirchlichen Kontext (Diakon*innen, Pfarrer*innen, Pastoralreferent*innen und Gemeindereferent*innen) hätten, anders als noch vor Jahren, keine Kapazität für diesen zusätzlichen Dienst.

 Mannheim ist auch eine Stadt der Einsamen

 Eine zweite Beobachtung ist, dass die Einsamkeit der Menschen spürbar zunehme. „Wir kommen immer wieder in Situationen, in denen für die Betroffenen schlicht kein soziales Netzwerk existiert“, berichtet Claudia Krüger. „Bei allem Gemeinsinn in dieser Stadt gibt es zugleich so viel Einsamkeit.“ Dann, so Krüger, müssten die Notfallseelsorger*innen Trauernde und Menschen in tiefer Verunsicherung nach einer Weile alleine zurücklassen, ohne dass ein stabiles Netz aufgebaut werden konnte – „weil es niemanden gibt: Keine Verwandten, keine Freunde, keine Bekannten“. Sie wünsche sich mehr Miteinander und auch mehr Nachbarschaftlichkeit, damit sich Menschen gegenseitig stützen können. 

Notfallseelsorge – Erste Hilfe für die Seele 

In der ökumenischen Notfallseelsorge Mannheim sind derzeit 30 sorgfältig ausgebildete Frauen und Männer sowie drei Hospitierende aktiv. Sie stehen Verunglückten, Angehörigen und auch den Helfenden der Blaulichtdienste in akuten Krisensituationen bei. Täglich und rund um die Uhr sind zwei Notfallseelsorger*innen in Rufbereitschaft. Sie können nicht privat gerufen werden, sondern werden ausschließlich von den Blaulichtorganisationen alarmiert. Im vergangenen Jahr hatte das Team 93 Einsätze, in diesem Jahr waren es bisher 86.

 „Wir halten mit aus, was oft kaum auszuhalten ist“ 

„Mir ist wichtig, deutlich zu machen, wie wichtig die Notfallseelsorge ist“, betont Claudia Krüger, Diakonin in der Erlösergemeinde Seckenheim. Auch die Rettungsdienste sähen deren Bedeutung. „Wir sind da. Wir halten mit aus. Und wir bleiben da, wenn die Rettungsdienste gehen“, sagt Krüger. „Diese wissen, dass sie sich auf uns verlassen können, weil Menschen gut aufgehoben sind bei uns“. 

Übrigens: Notfallseelsorge ist ein Ehrenamt. Wie auch bei der ebenfalls ökumenisch getragenen Telefonseelsorge setzen sich hier Teams von Ehrenamtlichen an jedem Tag rund um die Uhr für Mitmenschen ein, um deren Not zu lindern. Die Notfallseelsorge ist einer von vielen Bereichen, in denen die Evangelische und die Katholische Kirche in Zusammenarbeit mit der Stadt Mannheim für die Menschen da sind, unabhängig von Konfession und Religionszugehörigkeit der Betroffenen.

(dv/schu)

 

Die evangelische Koordinatorin der ökumenischen Notfallseelsorge Mannheim, Diakonin Claudia Krüger auf dem Weg zu einem Einsatz, mit ihrem Notfallseelsorge-Rucksack und der lila Weste. Foto: privat

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