Aktuelle Meldungen

Setz dein Glück nicht aufs Spiel

Experten ziehen Bilanz anlässlich des bundesweiten Glücksspieltag. Neuer Glücksspielstaatsvertrag seit 1. Juli 2021.

Mit dem bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht am 29. September 2021 wird deutschlandweit auf das hohe Suchtpotenzial von Glücksspielenden aufmerksam gemacht.

 Experten zufolge sind rund eine halbe Million Menschen in Deutschland von einer Spielsucht betroffen, wobei laut aktuellem Stand und aktuellen Studiendaten der BZgA fast 430.000 Personen als spielsüchtig bezeichnet werden können bzw. ein problematisches Spielverhalten aufzeigen. Mit Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags könnte sich die Situation verschärfen, weil es das Online-Glücksspiel bundesweit legalisiert. Ist das Spielen zu Zeiten von Corona zunächst rückläufig gewesen, da die Spielhallen über einen längeren Zeitraum geschlossen waren, verschiebt sich das Spiel in den virtuellen Raum.

Bei einem Pressegespräch haben Experten die Bedeutung von Prävention und Spielerschutz im Kontext des Glücksspielstaatsvertrags 2021 diskutiert.

Glücksspielstaatsvertrag greift nur auf deutschen Spiele-Websites

Annette Müller von der Suchtberatungsstelle in Mannheim in gemeinsamer Trägerschaft von Caritas und Diakonie vermutet vor dem Hintergrund der neuen gesetzlichen Lage für Glücksspielbetroffene und potenziell Interessierte, eine Gefahr und erhöhtes Suchtpotential. „Rund um die Uhr spielen zu können und das ganz anonym ist eine große Gefahr des Online-Spielebereichs. Der Spieler verliert sich und das ganz legal qua Gesetz.“ Auch Kay Toewe von der Suchtberatungsstelle Baden-Württembergischen Landesverband für Prävention und Rehabilitation gGmbH (bwlv) sieht darin eine Gefahr. Jugendlichen öffne es ab sofort Tür und Tor. „Das Risiko steigt, dass der Altersdurchschnitt weiter sinken wird.“
Obwohl der Glücksspielstaatsvertrag verspricht, seit 1. Juli künftig anbieter- und spielformübergreifende Spielersperrsystem zu entwickeln, sind die Experten skeptisch. „Gleichzeitig auf mehreren Online-Casinos unterwegs zu sein, geht ab sofort nicht mehr. Auch gibt es die Möglichkeit über einen Kontrollknopf die Möglichkeit zur „Selbstanzeige“, so Toewe weiter. Eine Handlung, die der Betroffene jedoch selbst regeln müsse und auf ausländischen Seiten ohnehin nicht existiere.

„Als Glücksspielbetroffener hat man jahrelang erst einmal kein Problem“

Einfach den Kontrollknopf drücken – eine Möglichkeit, die die fünfundvierzigjährige Klientin Sabine M. sicher gerne gewählt hätte. Sie ist seit etwa einem Jahr „clean“, war jedoch über sieben Jahre zuvor in der Abhängigkeit immer wieder zu spielen und die Spielegemeinschaft, die damit einhergehe, aufzusuchen: Onlinecasinos gehörten zu ihrem Alltag. Immer mal zwischendurch, bevor es zum nächsten Termin geht. „Und es ist ganz einfach. Per Knopfdruck können Sie in wenigen Sekunden einfach mal 8.000 Euro verspielen.“ Ein Doppelleben führte M. ohne dass

die Familie davon erfuhr. Und immer wieder mit dem Gefühl, es diesmal besser zu machen und den „Verlust“ wettzumachen, bis sie sich traute die Suchtberatungsstelle von Diakonie und Caritas aufzusuchen, um über das Problem zu sprechen.

Ein Gefühl, dass auch der dreißigjährige Michael L. kennt. Er wurde damals von einem Arbeitskollegen „auf ein Spiel“ mitgenommen - mit fatalen Folgen. Die Jahre, die darauffolgten, verbrachte L. in Onlinespielhallen. Um die Spiele finanzieren zu können, beschaffte er sich das Geld über kriminelle Wege, wie er selbst sagt, bis zur Gefängnisstrafe.

Aufsichtsbehörde fehlt 

Dr. Timo Kläser, Beauftragter für Suchtprävention der Stadt Mannheim, berichtet in Mannheim seien derzeit unter 52 gemeldeten Spielhallen 42 von einer Schließung bedroht. Dem Glücksspielstaatsvertrag sieht auch er mit Sorge entgegen. Dieser sei seiner Meinung „aufgeweicht“ und nicht mehr so engmaschig aufgestellt wie in der ursprünglichen Fassung. „Es ergeben sich immer wieder Lücken und Möglichkeiten für die User, mehr zu spielen und Geld auf Anhieb im vierstelligen Bereich zu verlieren.“ Die limitierte Einsatzsumme sei zu hoch, die Spielsperre zu kurz, so Kläser.

Zudem gäbe es bislang noch keine vorgesehene Aufsichtsbehörde, ergänzt Toewe, die dem Spielerschutze diene und nicht aus wirtschaftlichem Ermessen agiere.

Ein grundsätzliches Problem, dass nicht zielführend sei. „Immerhin verdiene der Staat über die Spielhallen rund 5,4 Milliarden.“ Eine Summe, auf die nicht gerne verzichtet werde.

In Mannheim beteiligen sich bei der diesjährigen Aktion zum bundesweiten Glücksspieltag neben dem Kommunalen Netzwerk für Suchtprävention und Suchthilfe der Stadt Mannheim, die Fachstelle Sucht Mannheim des Baden-Württembergischen Landesverbandes für Prävention und Rehabilitation gGmbH (bwlv) und die Suchtberatungsstelle in gemeinsamer Trägerschaft von Caritas und Diakonie Mannheim.

An rund 750 Stellen werden in Baden-Württemberg und u.a. auch in Mannheim Postkarten in der Verteilung sein, die Informationen und Hilfe für Betroffene aufzeigen. Unter dem Motto „Setz dein Glück nicht auf Spiel" sollen insbesondere junge Menschen auf sozialen Plattformen angesprochen werden. (JeLa)

 

Informationen zur diesjährigen Aktion finden Sie zur unter: https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/aktionstag-gegen-gluecksspielsucht-am-mittwoch-1/

 

Kontakt und Informationen über die Fachstelle und Suchtberatungsstelle der Diakonie und Caritas und bwlv unter.

https://www.diakonie-mannheim.de/ratsuchende.html?ta_id=32&ev_hide=1&backLink=/ratsuchende.html

https://www.bw-lv.de/beratungsstellen/fachstelle-sucht-mannheim/

 

 

 

 

[ zurück ]

Diakonisches Werk Mannheim
Diakoniestiftung Mannheim

 

Diakonie in Mannheim

Die Diakonie in Mannheim

Hier finden Sie weitere diakonische Einrichtungen.

Service und Information:

Folge uns auf Facebook folge uns auf Facebook

Brot für die Welt Diakonie Katastrophenhilfe